Mittwoch, 25. Januar 2012

Bewerbung per Internet auf dem Vormarsch – Erfahrungen und Tipps

Nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage durch den Hightech-Verband BITKOM bevorzugt mit 41% erstmals knapp die Mehrheit der befragten Personalverantwortlichen Bewerbungen per Internet. 40% der Unternehmen wünschen lieber Bewerbungsmappen. 17% der Befragten hatten keine Präferenz.

Das Ergebnis ist somit knapp. Bewerber sollten sich daher auf beide Varianten einstellen. Doch was heißt „Bewerbung per Internet“ überhaupt? Üblich sind 2 Verfahren: Die Zusendung der Bewerbung per Mail-Anhang und die Eingabe der Daten in Erfassungsmasken auf der jeweiligen Firmen-Homepage. Überwiegend in Großunternehmen erfolgt auch der weitere Bearbeitungsprozess digital.

Ich besitze auch im Recruiting von Fach- und Führungskräften langjährige Erfahrung. Kurz ein paar Anmerkungen zu Bewerbungsgrundlagen, Gestaltungsfragen und Technik. Wichtig ist zunächst die Einhaltung von Grundstandards. Das bedeutet ein ansprechendes, fehlerfreies und kompaktes Anschreiben mit Bezug zum Anforderungsprofil. Weiter zählen dazu ein lückenloser Lebenslauf und die Auswahl relevanter Dokumente. Die Unterlagen werden namentlich an die jeweiligen Ansprechpartner bzw. Entscheider gerichtet.
Diese Basics werden – auch von Akademikern und Berufserfahrenen – überraschend oft nicht ausreichend beachtet. Neben Tippfehlern steht nicht selten sogar der falsche Firmenname oder Ansprechpartner in den Unterlagen. Dadurch wird der mögliche positive Eindruck der „ersten Arbeitsprobe“ geschmälert.
Dafür wird oft mehr Zeit in eher Nebensächliches investiert (vgl. z.B. die Diskussion über die zeitliche Reihenfolge der Angaben im Lebenslauf). Die Gestaltungsmöglichkeiten können (und sollen) variieren: Eine Bewerbung als Marketing-Experte in einer kleineren Kreativ-Agentur wird anders aussehen als die einer Führungskraft in einer eher traditionell geprägten Großbank. Auch die „Verpackung“ ist aus meiner Sicht eher zweitrangig (ich persönlich mag jedoch die aufklappbaren Präsentationsmappen nicht so, weil sie viel Platz beanspruchen und die sorgfältig eingefädelten Unterlagen meist doch herausrutschen – zudem sind die Mappen recht teuer).

„Die“ richtige Bewerbung gibt es somit nicht. Entscheidend ist die ansprechende und konsistente Präsentation der eigenen Person (Motivation, Qualifikation, Identifikation mit dem neuen Unternehmen).

Wird die Bewerbung per Mail versandt, ist bekanntlich das PDF-Format Standard. Zwar sind Mail-Fächer bzw. Speicherplatz zwischenzeitlich gewachsen, aber auch für die Personaler ist „weniger mehr“: 2 MB Umfang sollten reichen. Es müssen nicht zwingend Farb-Scans der Unterlagen sein, eine 400dpi-Auflösung kann ausreichen.

Ein kurzer Tipp zur Erfassung der Daten in Online-Formularen auf der Firmen-Homepage: Verwenden Sie parallel Ihre Textverarbeitung. So können Sie die Rechtschreibprüfung nutzen und anschließend Ihre Eingaben in das Online-Formular kopieren. Bei einigen Bewerbungsmodulen gibt es nämlich eine Timeout-Funktion: Wenn zulange keine Eingabe erfolgt (z.B. weil Sie um treffende Formulierungen ringen oder Daten recherchieren müssen), können die bisherigen Eingaben nicht mehr gespeichert werden. Zudem werden Sie ausgeloggt und müssen leider von vorn beginnen.

Suchen Sie im Internet nach Stellenanzeigen, um sich zu bewerben, sind Sie stets nur einer von vielen Kandidaten. Erwägen Sie daher auch alternative Bewerbungsstrategien. Verlockend sind neben den bekannten Bewerbungsportalen und Meta-Suchmaschinen auch Karrieredienste. Dort können Sie – im Premiumservice meist gegen eine Nutzungsgebühr - Ihre Daten hinterlegen und Ihr Profil zur Recherche durch Unternehmen, Personalberater etc. freischalten (um sich vermeintlich zurücklehnen und auf Anfragen warten zu können). Diese Anfragen können tatsächlich erfolgen. Bedenken Sie aber, dass auch die Recruiter Ihres Arbeitgebers in den Datenbanken recherchieren und dabei auf Ihr (ggf. anonymisiertes) Profil stoßen könnten. Zudem haben Sie keinen direkten Einfluss darauf, wer (noch) auf Ihre Daten zugreift oder wo sie landen.

Abschließend noch zwei – hier wahrscheinlich zu weit führende – Impulse (da ja im Bewerbungsstadium die Entscheidung für die Neuorientierung schon längst gefallen ist):
Überprüfen Sie, was Sie wirklich zum Wechsel antreibt. Denn auch beim neuen Arbeitgeber wird es „Licht- und Schattenmomente“ geben. Weiter stelle ich immer wieder fest, dass Mitarbeiter die Erwartung haben, dass ihre Führungskraft bzw. das Unternehmen für die als längst überfällig erachtete Zuteilung von Karrierechancen verantwortlich ist. Haben Sie sich im Vorfeld Ihrer externen Bewerbung ausreichend beim derzeitigen Arbeitgeber positioniert und beispielsweise aktiv Sondierungsgespräche geführt? Falls nicht, können Sie sich das ja für den nächsten Karriereschritt vornehmen. Ich drücke Ihnen dafür die Daumen.   

Fazit: Beide Seiten – Kandidaten und Unternehmen – können das Verfahren noch weiter optimieren. Aber welche Erfahrungen und Empfehlungen – gern sowohl aus Unternehmens- und Bewerbersicht – haben Sie?

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