Donnerstag, 28. Juni 2012

Stärken stärken: Persönliche Stärken erkennen und fördern

Die persönlichen Stärken beschreiben zu lassen, ist ein Klassiker im Vorstellungsgespräch. Aber auch für die tägliche Arbeit, bei einem beabsichtigten Jobwechsel oder bei einer beruflichen Neuorientierung macht es Sinn, seine Stärken zu kennen und darauf aufzubauen.

Wir verbringen viel Zeit mit Arbeit. Wenn wir dabei unsere Stärken gezielt einsetzen, können wir sogar eine Art Glück empfinden: Im sogenannten „Flow“ (vgl. die Veröffentlichungen des Psychologie-Professors Mihaly Csikszentmihalyi) haben wir die Situation unter Kontrolle, die Zeit vergeht wie im Flug, wir empfinden trotz Anstrengung ein Gefühl der Leichtigkeit und Zufriedenheit. Vorteilhaft ist daher, seine Stärken zu kennen, sie gezielt einzusetzen, positive Rückmeldungen zu erhalten und sich bzw. seine Stärken weiter zu entwickeln.

Was aber sind Stärken eigentlich und wie findet man sie heraus? Vereinfacht ausgedrückt sind Stärken positive Eigenschaften bzw. Fähigkeiten. Beispiele sind Urteilsfähigkeit, Sozialkompetenz, Führungsvermögen, Ausdauer oder Kreativität. Bei Erwachsenen sind die jeweiligen Stärken relativ stabil ausgeprägt.
Man kann seine Stärken pragmatisch herausfinden, indem man sich an Situationen erinnert, in denen man Hochleistungen erbracht und sich dabei bzw. im Anschluss positiv motiviert bzw. zufrieden gefühlt hat. Anschließend analysiert man, was man in diesen brillanten Situationen getan bzw. wie man sich darin verhalten hat und worauf dies zurückzuführen ist. Möglich ist auch, andere Personen nach den eigenen Stärken zu befragen. Eine mehr wissenschaftliche Analyse bietet z.B. der „Values in Action (VIA)-Fragebogen“, der auf den Forschungen zur „Positiven Psychologie“ basiert (die sich in Deutschland eher im breiteren Ansatz der „Glücksforschung“ wiederfindet). Der Fragebogen gibt Aufschluss über die sogenannten Charakter- bzw. Persönlichkeitsstärken.
Empfehlenswert ist jedoch, diese Themen in einem stärker berufsbezogenen Kontext zu betrachten und sich nicht nur bei Auswahl von Analysemethoden und Interpretation der Ergebnisse durch einen entsprechend erfahrenen Berater und Coach unterstützen zu lassen.
Für ein nachhaltigeres Zufriedenheitserleben kann man versuchen, ausgewählte Stärken künftig noch bewusster einzusetzen. Vielleicht probieren Sie einfach einmal aus, welche Veränderungen Sie durch eine entsprechende positive Einstellung, eine Fokussierung auf Ihre Stärken bzw. durch ein leicht abgewandeltes Verhalten in Ihrem beruflichen Umfeld hervorrufen können.

Die Stärken-Thematik ist auch für Führungskräfte von Bedeutung. Als „erster Personalentwickler vor Ort“ ist eine ihrer zentralen Aufgaben, die Stärken ihrer Mitarbeiter zu erkennen und zu fördern. Das Feedback darüber sollte idealerweise nicht nur im meist jährlichen Mitarbeitergespräch erfolgen.
Die Kehrseite ist gefährlich: Andauernde Über- und sogar Unterforderung – beispielsweise in Unkenntnis seiner Stärken bzw. Grenzen oder mangels gezielter Weiterentwicklung bzw. Förderung – kann krank machen (vgl. auch die aktuelle Burnout- bzw. Boreout-Diskussion).
Zudem herrscht oft noch eine Defizit-Orientierung vor: Anstelle effizient Stärken weiter zu stärken (und dadurch mehr positive Erlebnisse und Motivation bei den Mitarbeitern zu erzielen), konzentriert man sich auf Fehleranalyse, Schwächen und deren Reduzierung. Dies spiegelt sich nicht nur in der negativ behafteten Bezeichnung „Beurteilungsgespräch“ (also Urteil fällen) wider.
Was aber ist hilfreich? Die abgeleitete Empfehlung für Führungskräfte zur Steigerung des Flow-Erlebens ihrer Mitarbeiter kann verkürzt so lauten:
  • Arbeitsanforderungen und Kenntnisse/ Erfahrungen/ Fähigkeiten des Mitarbeiters analysieren und in Einklang bringen
  • klare Ziele vereinbaren und entsprechende Freiräume für den Weg zum Ziel gewähren
  • regelmäßig individuelles Feedback geben, für fachliche und persönliche Weiterentwicklung sowie Perspektiven sorgen.
Dann gelingt auch ohne großes Mitarbeiterbindungsprogramm ein positives Zusammenspiel von intrinsischer Motivation bzw. positivem (Flow-)Erleben, Produktivität und Loyalität.

Link-Empfehlungen:
Wikipedia-Grundlagenartikel über die Glücksforschung

Values in Action (VIA)-Fragebogen des Psychologischen Instituts der Universität Zürich: Nach einer kostenfreien Registrierung über www.charakterstaerken.org kann der VIA-Fragebogen ausgewählt und online bearbeitet werden. Nach Beantwortung der rund 260 Fragen (Dauer ca. 30 Minuten) erhält man eine Rangfolge seiner persönlichen Stärken. Zusätzlich steht eine mehrseitige Interpretationshilfe zum Abruf bereit.

Homepage von Andreas Dotzauer Beratung | Training | Coaching

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Impuls, die persönlichen Stärken häufiger in den Vordergrund unserer Blickrichtungen zu ziehen. Im Coaching erlebe ich sehr häufig, dass Klienten im negativen Denken verhaftet sind und die "einfache" Frage, was denn in ihrem Leben gerade oder in letzter Zeit gut läuft, häufig erst einmal Nachdenken verursacht. Dabei ist dies doch so extrem wichtig, um sich über seine eigenen (vorhandenen) Ressourcen bewusst zu werden und sie ggf. in schwierigen Situationen wiederzubeleben.

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  2. Ihr Artikel hat deutlich gemacht, dass die klassische Art der Berufsberatung, die zunächst nach den Stärken und Fähigkeiten schaut, um dazu passende Berufe herauszusuchen, vereinbar ist mit einem Ansatz der nach dem schaut, was einem Menschen glücklich macht. Die Verbindung besteht im Flow, der eintritt, wenn man etwas gut kann und völlig in dieser Tätigkeit versinkt.
    Vielen Dank für diese Anregung!

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