Mittwoch, 26. Juni 2013

Gesundheitsreport 2013: Stress durch Arbeit und Umfeld | Studien, Infomaterial

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat im Juni 2013 ihren aktuellen Gesundheitsreport 2013 mit Schwerpunkt Berufstätigkeit, Ausbildung und Gesundheit veröffentlicht. Deutschland ist verhältnismäßig gestresst – so lautet das Fazit. Wie lässt sich die Situation in Unternehmen (Fokus Führung) nachhaltig verändern? Wo kann man sich umfassend über Ursachen, Bewältigungsmöglichkeiten etc. informieren?

Psychische Erkrankungen weiter auf dem Vormarsch

Psychische Belastungen resultieren nicht nur aus der Arbeit selbst, sondern auch aus den Arbeitsverhältnissen (z.B. Befristungen) und weiteren Rollenanforderungen. Die psychisch bedingten Fehlzeiten sind seit 2006 um rund 75 Prozent gestiegen. Mittlerweile haben über 17 Prozent aller Fehlzeiten psychische Ursachen. Auf „Platz eins“ rangiert die Depression. Sie führt zu einer Krankschreibung von durchschnittlich 58 Tagen.

Interessant ist, dass der Begriff Burn-out im aktuellen TK-Gesundheitsreport vermieden wird. Die Thematik rund um seelische und körperliche Erschöpfung schien in letzter Zeit zunehmend negativ besetzt zu sein bzw. als vermeintliches „Modethema“ auf Unverständnis zu stoßen. Unternehmen wollen sich sogar gegen die „Buhmann-Rolle“ wehren und durch eine Studie belegen, dass sie nicht allein für Burn-out & Co. verantwortlich sind. Dabei ist das unstrittig.

Ein Grund für Zweifel bzw. Verständnisschwierigkeiten liegt darin, dass Burn-out nicht als eigenständige Krankheit diagnostiziert werden kann. Es gibt dafür keinen sog. “F”-Schlüssel im Rahmen des Manuals ICD-10 (“International Classification Of Diseases”). Vielmehr handelt es sich um eine Zusatzdiagnose (Z-Schlüssel Z73). Es ist sogar davon auszugehen, dass das Vorkommen von Burn-out eher unterschätzt wird (weil es nicht originär diagnostiziert bzw. in andere Krankheiten verschlüsselt wird).

Fakt bleibt die deutliche Zunahme überlastungsbedingter Krankheitstage. Vielleicht war das ein Grund dafür, dass kürzlich das Magazin FOCUS mit dem Titelthema „Raus aus der Stressfalle – Wenn Arbeit krank macht“ erschien und so Burn-out (wieder) in einem größeren Kreis thematisierte.

Führungskräfte: Mitverantwortung und zugleich Zielgruppe

Unternehmen sollten nicht nur vor dem Hintergrund der Veränderungen durch den demografischen Wandel ein deutliches (Eigen-)Interesse an der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden haben. Doch meist sind die Bemühungen rund um Betriebliches Gesundheitsmanagement nicht nur hinsichtlich der ganzheitlichen Ausrichtung deutlich verbesserbar. Erstaunlich – allein betriebswirtschaftlich betrachtet beträgt der Return on Investment ein Vielfaches.

Im Rahmen der direkten Zusammenarbeit von Führungskräften und ihren Mitarbeitern spielen Gesundheitsthemen eher eine geringe Rolle. Der Einfluss des eigenen Führungsverhaltens auf die Gesundheit der Mitarbeitenden wird kaum reflektiert bzw. wenig beachtet. Nicht selten wird der kontraproduktive Versuch unternommen, den Krankenstand durch „stärkere Kontrolle“ zu senken.
Hinzu kommt, dass sich nach einer aktuellen repräsentativen Studie des Beratungsunternehmens osb international Consulting AG jede zweite Führungskraft am Ende des Arbeitstages ausgebrannt fühlt. Arbeitspensum, Druck und Hektik verstärken den Effekt, dass wichtige Führungsthemen auf der Strecke bleiben. Führungskräftetrainings, Coaching oder Kollegiale Beratung könnten hier Entlastung bzw. Unterstützung bieten. Klar sein dürfte, dass dies tiefgehendere Inhalte als Zeitmanagement & Co. erfordert.

Zudem sollte auf konzeptioneller Ebene generell die Ausrichtung der Führungskräfteentwicklung überprüft werden. Meist wird ihr nur punktuell Aufmerksamkeit gewidmet – insbesondere bei der Auswahl künftiger Führungskräfte und der anschließenden standardisierten Qualifizierung. Diese legt den Fokus oft einseitig auf den „richtigen“ Einsatz von Führungsinstrumenten bzw. -methoden. Erfolgreiches und gesundheitsförderndes Führungsverhalten besteht aber auch aus einem gemeinsam geteilten entsprechenden Führungsverständnis, entsprechenden (sozialen) Kompetenzen und einem entsprechenden (persönlichen) Werte- bzw. Motivationsrahmen. Von der Unternehmensleitung mitgetragen und vorgelebt, könnte auf dieser Basis wertschätzendes und gesundes Führen alle seine Vorteile entfalten.

Umfassende Informationsmaterialien

Abschließend noch eine Empfehlung: Das Webportal Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (www.psyga.info) bietet interessierten Fach- und Führungskräften sowie Unternehmen fundierte und umfassende Informationen rund um Burn-out, emotionale Überlastung bzw. Stress. Ziel ist, die Bemühungen zur Förderung der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt zu unterstützen. 
In der Rubrik Materialien befinden sich daher zahlreiche kostenlose Download-Angebote, u.a. Praxisordner mit einer Fülle von Informationen und Tipps, Checklisten bzw. Qualitätskriterien für Betriebliches Gesundheitsmanagement, Fragebogen zur Selbsteinschätzung, Handlungshilfen und sogar ein Hörbuch sowie ein eLearning Tool für Führungskräfte.


Ausgewählte Links und Informationen (Abruf 26.06.2013):
Techniker Krankenkasse (Hrsg.)(2013): Gesundheitsreport 2013 – Berufstätigkeit, Ausbildung und Gesundheit, Veröffentlichungen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement der TK, Band 28 (PDF, 6,3 MB)

Scharnitzky, R.: Raus aus der Buhmann-Rolle (SZ-Artikel vom 10.06.2013)

Kailitz, S.: Wenn Arbeit krank macht (Online-Version Titelthema FOCUS Magazin Nr. 24 (2013))

osb international Consulting AG (Hrsg.): osb-i Studie 2013 – Leadership & Leadership Development, Deutschland: Presseinformation (PDF, 0,1 MB), Studie bzw. Illustration (PDF, 0,4 MB)

Homepage Andreas Dotzauer Beratung | Training | Coaching
 

1 Kommentar:

  1. Studien dieser Art sind sehr hilfreich. Sie bestätigen, was Fachleute im Feld schon länger erfahren und anwenden: Persönliche Entwicklungs- und Gesundheitsfahrpläne für Mitarbeiter und Führungskräfte sind unabdingbar. Die interessante Frage ist, wie derlei Pläne erstellt werden. Braucht es größer angelegte Gesundheits- und Teamentwicklung Prozesse oder gibt es andere, kostengünstigere Möglichkeiten? Die Antwort wird in den nächsten Jahren gefunden sein...VG Heiner Diepenhorst

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