Mittwoch, 19. Februar 2014

(Kein) Fachkräftemangel – und nun?

Der Hays Fachkräfte-Index Quartal 4/2013 belegt, dass die Nachfrage nach Fachkräften weiter sinkt. Viele Stellen sind nach Finanzkrise und moderatem Wirtschaftswachstum besetzt. Einige Unternehmen betreiben sogar kontinuierlich Stellenabbau. Gleichzeitig gestaltet sich der Berufseinstieg für Jüngere zunehmend schwieriger und instabiler. Droht trotz demografischem Wandel bzw. Fachkräftemangel das Ende von Karrierechancen, Mitarbeiterbindung etc.?

Sicher gibt es in einzelnen Branchen bzw. hinsichtlich einzelner Berufe eine das Angebot übersteigende Nachfrage nach Fachkräften. Das Profil von Arbeitslosen scheint oft nicht passend (Mismatch). Jedoch sollte bei der Betrachtung zwischen Symptomen und Ursachen unterschieden werden.
Auf Unternehmensebene wird beispielsweise ein Blick auf die Arbeitsbedingungen (inkl. Vergütungsniveau, Weiterbildungsangebot, Karriereperspektiven, etc.) zeigen, dass seit längerem nicht entsprechend auf die "Zeichen der Zeit" reagiert wurde (z.B. angemessener Umgang mit Kandidaten bzw. Mitarbeitern und deren sich ändernden Ansprüchen an die Arbeitswelt). Anderes Beispiel: Existieren Vakanzen, können sich Alter und Qualifikation bei der Stellenbesetzung sogar negativ auswirken.
Mit Blick auf Arbeitsmarkt und Recruiting hat sich kürzlich insbesondere Martin Gaedt sehr deutlich u.a. in einem Blog-Beitrag über den „Mythos Fachkräftemangel“ geäußert.
Die gesamtwirtschaftliche Einschätzung erscheint schwierig, beispielsweise hinsichtlich der Nachfrageentwicklung. Zumindest ein Teil der inländischen Nachfrage wird wegbrechen. Umgekehrt können Auswirkungen des abnehmenden Erwerbspersonenpotenzials u.a. durch weiteren Produktivitätszuwachs, die zunehmende Beschäftigung "Älterer" oder die Erhöhung des Arbeitszeitvolumens (etwa von bzw. bei Teilzeitbeschäftigten) deutlich abgefedert werden.

Und nun?

Was bedeutet das für Unternehmen bzw. ihre Mitarbeitende? Meiner Meinung nach können Unternehmen ihre Aktivitäten insbesondere hinsichtlich einer authentischen Positionierung als attraktiver Arbeitgeber, eines zielgerichteten zeitgemäßen Recruiting auf Augenhöhe, Offenheit für Quereinsteiger oder einer nachhaltigen Entwicklung bzw. Bindung von Mitarbeitern (Talent Management) noch deutlich weiter ausbauen. Anregungen bietet auch ein früherer Blog-Beitrag über die Thematik Fachkräftemangel.
Und Mitarbeiter sollten ihre Karriereplanung noch stärker und frühzeitiger in die eigene Hand nehmen. Bei Unzufriedenheit muss dabei nicht gleich der Schritt in die Selbstständigkeit gewagt werden: Auf den eigenen Interessen und Stärken basierend, lassen sich geeignete Perspektiven finden – nach dem Motto „Love it, change it or leave it“ nach erfolglosem Positionierungsversuch im bisherigen Unternehmen gegebenenfalls auch in anderen Unternehmen bzw. Branchen. Tipps zum persönlichen Karrieremanagement bietet ein separater Blog-Beitrag.

Fazit

In der andauernden Diskussion stellt sich wohl weniger die Frage, ob bzw. wie stark ausgeprägt der Fachkräftemangel in Deutschland auftritt, sondern wie mit den (bekannten) Herausforderungen umgegangen wird. Demografischer Wandel bzw. Fachkräftemangel suggerieren (nicht zuletzt durch ihre starke thematische Präsenz in den Medien) eine gewisse Ohnmacht. Unternehmer, Personaler und Mitarbeitende beklagen die aktuelle Situation bzw. die Aussichten sicher nicht vollkommen grundlos. Jedoch war Resignation bzw. Verharren schon immer wenig zielführend…


Letzter Abruf der Links am 19.02.2014, Beitrag aktualisiert am 27.02.2014

Homepage Andreas Dotzauer Beratung | Training | Coaching
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Die Kommentare werden insbesondere zum Schutz vor Spam und verdeckter Werbung vor der Veröffentlichung gesichtet. Vielen Dank für Ihr Verständnis!